Moving Spine
Wirbelsäulen in Bewegung halten: Wie ein Startup von Balgrist und UZH die Wirbelsäulenchirurgie neu definiert
Wenn eine Wirbelsäuleninstabilität einen chirurgischen Eingriff erfordert, war die Standardantwort lange Zeit die Fusion: Schrauben, Stäbe und der dauerhafte Verlust der Beweglichkeit im betroffenen Segment. Moving Spine AG, ein Startup der Universität Zürich mit Wurzeln in der klinischen Forschung am Universitätsspital Balgrist, stellt dieses Paradigma mit einem grundlegend anderen Ansatz in Frage.
Die Technologie namens Vertebropexy wurde von Prof. Mazda Farshad, Ärztlichem Direktor und Chefarzt am Balgrist, gemeinsam mit Mitgründer und CTO PD Dr. Jonas Widmer sowie der Forschungsgruppe Wirbelsäulenbiomechanik entwickelt. Anstatt Wirbelkörper starr zu fusionieren, nutzt die Vertebropexy eine ligamentäre Verstärkung, um die Wirbelsäule zu stabilisieren und gleichzeitig die natürliche Beweglichkeit zu erhalten. Das Ergebnis ist ein minimalinvasives Verfahren, das direkt im Anschluss an eine Dekompressionsoperation in unter fünf Minuten durchgeführt werden kann, die Erholungszeiten verkürzt und alle konventionellen Behandlungsoptionen für die Zukunft offenhält.
Was die Innovationstranslationsstrategie von Moving Spine AG einzigartig macht, ist die Geschwindigkeit und Disziplin, mit der das Team Forschung in klinische Realität überführt. CEO Elmar Zurbriggen bringt über 25 Jahre Führungserfahrung in der Wirbelsäulen- und Orthopädiebranche mit, darunter leitende Funktionen bei Synthes und DePuy Synthes, und leitet ein Team von mehr als 11 Fachleuten aus den Bereichen F&E, Regulatory Affairs und klinische Validierung. Die Philosophie ist bewusst gewählt: Chirurgen, Ingenieure und erfahrene Medtech-Entwickler unter einem Dach zu vereinen, um den Weg vom Labor zum Patienten zu beschleunigen, ohne Abstriche bei der Sicherheit. Die Einrichtungen des Balgrist Campus und des OR-X bieten dafür ein ideales Umfeld: eine erstklassige Infrastruktur für Tests, chirurgisches Training und iterative Weiterentwicklung in jeder Phase. Darüber hinaus ist Moving Spine bestens vernetzt innerhalb der Schweizer Medtech-Zulieferindustrie, was es ermöglicht, den Fokus auf Innovation und Patientenlösungen zu legen.
Gleichzeitig bezieht Moving Spine die internationale Wirbelsäulengemeinschaft aktiv in seinen Entwicklungsprozess ein. Das Unternehmen arbeitet mit einem internationalen Beirat zusammen und führt regelmässig Wet Labs mit Chirurgen sowohl in Europa (OR-X) als auch in den USA (Los Angeles) durch. Dieser kontinuierliche Austausch stellt sicher, dass die Technologie durch breiten klinischen Input geformt wird und in der globalen Wirbelsäulengemeinschaft auf breite Unterstützung und Validierung stösst.
Balgrist-Chirurgen und Kolleginnen und Kollegen begleiten jeden Schritt dieses Weges im Rahmen des IDEAL-Frameworks, abgestimmt mit der Ethikkommission: einem strengen, fünfstufigen Verfahren, das eigens für die Bewertung komplexer chirurgischer Innovationen entwickelt wurde. Die Arbeit von Moving Spine schreitet vom frühen Proof-of-Concept und ersten klinischen Fallberichten über iterative Entwicklung und multizentrische Exploration hin zu formellen Vergleichsstudien und langfristiger Ergebnisüberwachung. Dieses strukturierte Vorgehen stellt sicher, dass jeder schrittweise Fortschritt evidenzbasiert ist und das Tempo durch die Patientensicherheit bestimmt wird, nicht durch kommerziellen Druck. Weit davon entfernt, den Prozess zu verlangsamen, ist es genau diese Disziplin, die die klinische Glaubwürdigkeit aufbaut, die notwendig ist, um eine grundlegend neue Behandlungskategorie in die gängige Wirbelsäulenmedizin einzuführen.
Moving Spine baut nicht bloss ein Implantat. Das Unternehmen definiert neu, wie Wirbelsäulenerkrankungen behandelt werden: indem es Patientinnen und Patienten eine bewegungserhaltende Alternative bietet, die den Bedarf an invasiveren Fusionsoperationen möglicherweise verzögert oder ganz verhindert.
Moving Spine ist ein Spin-off der Universität Zürich.